Modul 6 – Die häufigsten Fehler beim Nordic Walking


Zwei Stöcke in der Hand machen noch keinen Nordic Walker

Wir haben inzwischen die passende Ausrüstung kennengelernt, uns mit der Technik beschäftigt und wissen, was Nordic Walking für unseren Körper leisten kann. Eigentlich könnte jetzt nichts mehr schiefgehen. Eigentlich. 😄

Wer regelmäßig unterwegs ist, sieht allerdings die unterschiedlichsten Varianten: Stöcke werden getragen. Stöcke werden hinterhergezogen.

Stöcke werden senkrecht in den Boden gerammt. Arme bewegen sich kaum. Schultern befinden sich gefühlt kurz vor den Ohren. Und manchmal scheint zwischen Mensch und Stock noch nicht endgültig geklärt zu sein, wer eigentlich wen bewegt. Dabei geht es überhaupt nicht darum, andere Nordic Walker zu kritisieren. Viel interessanter ist die Frage: Welche Fehler schleichen sich bei mir selbst ein – und wie kann ich sie korrigieren? Genau darum geht es in Modul 6.


❌ Fehler 1 – Die Stöcke gehen nur spazieren

Das ist wahrscheinlich der Klassiker. Die Person läuft ganz normal – und hält dabei zwei Nordic-Walking-Stöcke in den Händen.

Die Stockspitzen berühren zwar gelegentlich den Boden, aber eine aktive Druckphase findet kaum statt. Was fehlt?

Der zusätzliche Trainingsreiz für den Oberkörper.

✅ Besser:

Den Stock nach dem Bodenkontakt aktiv nach hinten drücken und den Arm weiter zurückführen. Merke: Du nimmst die Stöcke nicht mit zum Spaziergang. Die Stöcke sollen mitarbeiten.


❌ Fehler 2 – Die berühmten „Mini-Arme“

Auch diesen Fehler sieht man häufig. Die Ellenbogen bleiben permanent stark angewinkelt und die Hände bewegen sich nur wenige Zentimeter vor und zurück. Fast so, als würde man mit den Stöcken stricken. 😄 Dadurch fehlt die großzügige Pendelbewegung des Arms.

✅ Besser:

Die Bewegung aus dem Schulterbereich entstehen lassen. Der Arm schwingt nach vorne und anschließend deutlich nach hinten.

Dabei bleibt alles möglichst locker und flüssig.

MatsZino-Merksatz: Große Bewegung statt kleines Gestochere.


❌ Fehler 3 – Der Stock steht senkrecht

Der Stock wird weit vorne nahezu senkrecht aufgesetzt. Das erinnert dann manchmal eher an Wandern oder Abstützen.

Beim dynamischen Nordic Walking möchten wir aber über den Stock Vortrieb erzeugen.

✅ Besser:

Der Stock wird schräg nach hinten eingesetzt. Anschließend entsteht Druck über den Stock nach hinten. Dadurch unterstützt die Armbewegung die Vorwärtsbewegung.


❌ Fehler 4 – Der Stock wird zu weit vorne aufgesetzt

Noch ein Klassiker. Die Stockspitze landet deutlich vor dem Körper. Das kann die Bewegung eher abbremsen als unterstützen.

✅ Besser:

Der Stockkontakt sollte nicht weit vor dem Körper stattfinden. Bei klassischer Nordic-Walking-Technik erfolgt er ungefähr im Bereich des gegenüberliegenden Fußes bzw. leicht dahinter – abhängig von Körperproportionen, Tempo und Technik. Von dort beginnt: die Druckphase nach hinten.


❌ Fehler 5 – Passgang

Jetzt wird es koordinativ interessant. Normalerweise bewegen wir uns beim Gehen über Kreuz:

rechter Fuß → linker Arm

linker Fuß → rechter Arm

Beim Passgang passiert dagegen:

rechter Fuß → rechter Arm

linker Fuß → linker Arm

Keine Sorge.

Das passiert Einsteigern häufiger, als man denkt.

✅ Die einfachste Korrektur:

Stöcke zunächst locker hinter Dir herziehen lassen. Nicht darüber nachdenken. Einfach gehen.

Dein Körper findet meistens automatisch wieder seinen natürlichen gegengleichen Armschwung. Erst anschließend den Stockeinsatz wieder hinzunehmen.


❌ Fehler 6 – Die Hände klammern sich am Griff fest

Manche Nordic Walker behandeln ihre Stockgriffe, als bestünde die Gefahr, dass die Stöcke jeden Moment davonlaufen. 😄

Die Hände bleiben permanent geschlossen. Das kann unnötige Spannung in: Händen, Unterarmen, Schultern und Nacken erzeugen.

✅ Besser:

Beim Vorschwingen den Griff aufnehmen. Während der Druckphase nach hinten die Hand zunehmend öffnen. Die Schlaufe hält die Verbindung zum Stock. Beim nächsten Vorschwingen wird wieder gegriffen.

Der Rhythmus:

Greifen → drücken → öffnen → greifen.


❌ Fehler 7 – Die Schultern wandern Richtung Ohren

Gerade wenn wir uns stark konzentrieren, passiert etwas Merkwürdiges: Wir verspannen. Plötzlich werden die Schultern hochgezogen.

Der Nacken wird fest. Und aus einer eigentlich lockeren Bewegung wird harte Arbeit.

✅ Besser:

Zwischendurch bewusst kontrollieren: Schultern locker? Wenn nicht: Arme kurz ausschütteln. Schultern nach hinten kreisen.

Locker weitergehen.


❌ Fehler 8 – Der Blick klebt am Boden

Natürlich müssen wir unseren Weg beobachten – besonders auf unebenem Gelände. Aber dauerhaft auf die eigenen Schuhe zu schauen, kann die gesamte Körperhaltung beeinflussen. Der Oberkörper fällt nach vorne. Der Nacken wird gebeugt. Die aufrechte Haltung geht verloren.

✅ Besser:

Den Blick überwiegend einige Meter nach vorne richten und das Gelände vorausschauend erfassen. Auf schwierigen Abschnitten natürlich entsprechend genauer auf den Untergrund achten.


❌ Fehler 9 – Zu große Schritte

Jetzt kommt der Gedanke: „Nordic Walking soll sportlich sein – also mache ich besonders große Schritte.“

Das Ergebnis kann eine unnatürliche Bewegung sein. Der Fuß landet weit vor dem Körper und der Bewegungsfluss leidet.

✅ Besser:

Natürlich gehen. Mit zunehmender Geschwindigkeit kann sich die Schrittlänge automatisch verändern. Aber: Schrittlänge nicht erzwingen.


❌ Fehler 10 – Zu kleine Schritte und hektisches Tempo

Das Gegenteil gibt es ebenfalls. Winzige Schritte. Hohe Frequenz. Dazu schnelle kleine Armbewegungen.

Man ist zwar beschäftigt – bewegt sich aber nicht unbedingt effizient.

✅ Besser:

Einen Rhythmus finden, der zu Körpergröße, Fitness und Tempo passt. Nordic Walking sollte möglichst flüssig aussehen und sich auch so anfühlen.


❌ Fehler 11 – Falsche Stocklänge

Das haben wir bereits in Modul 2 behandelt. Aber hier gehört es noch einmal hinein. Zu lange oder zu kurze Stöcke können den Bewegungsablauf erschweren. Die bekannte Faustformel: Körpergröße × etwa 0,66 liefert lediglich einen Ausgangspunkt.

Entscheidend sind unter anderem: Körperproportionen, Technik, Trainingsstil und persönliches Bewegungsgefühl.

Bei verstellbaren Stöcken lässt sich die optimale Einstellung gut ausprobieren.


❌ Fehler 12 – Der Oberkörper ist stocksteif

Nordic Walking bedeutet nicht: Beine bewegen. Arme bewegen. Oberkörper einfrieren.

Bei einer natürlichen Gehbewegung arbeiten Becken und Schultergürtel gegeneinander. Diese leichte Rotation gehört zum Bewegungsablauf.

✅ Besser:

Nicht künstlich rotieren. Aber auch nicht versuchen, den Oberkörper vollkommen starr zu halten. Das Zauberwort lautet: Natürlichkeit.


❌ Fehler 13 – Zu viel Kraft

Jetzt hat jemand Modul 3 gelesen und denkt: „Kompi und Mats haben gesagt: aktiv drücken!“ Also wird gedrückt. Und gedrückt. Und noch stärker gedrückt. 😂

Nein. Technik entsteht nicht dadurch, dass wir möglichst viel Kraft einsetzen.

✅ Besser:

Zuerst: Rhythmus.

Dann: Bewegungsumfang.

Dann: sauberer Stockeinsatz.

Und erst danach: Intensität.


❌ Fehler 14 – Zu schnell beginnen

Gerade motivierte Einsteiger machen gerne einen Fehler:

Tag 1:

30 Minuten.

Tag 2:

60 Minuten.

Tag 3:

90 Minuten.

Tag 4:

„Warum tut eigentlich alles weh?“ 😄 Der Körper braucht Zeit, um sich an neue Belastungen anzupassen.

✅ Besser:

Trainingsdauer und Intensität schrittweise steigern. Wer lange keinen Sport gemacht hat, darf ruhig mit kurzen Einheiten beginnen.

20 Minuten Bewegung sind immer noch 20 Minuten Bewegung.


❌ Fehler 15 – Jede Runde muss ein Rekord sein

Fitnessuhr an. Los. Schneller. Noch schneller. Neue Bestzeit!

Das kann Spaß machen. Aber nicht jede Trainingseinheit muss ein Wettkampf gegen die eigene Uhr sein.

✅ Besser:

Unterschiedliche Einheiten nutzen:

🟢 lockere Runde

🟡 moderate Trainingsrunde

🔴 gelegentlich intensivere Abschnitte

🌿 und manchmal einfach eine Runde, weil es draußen wunderschön ist. Auch das gehört für mich zu Bewegung.


🛠️ Die einfachste Technik-Korrektur überhaupt

Wenn Du während Deiner Runde irgendwann das Gefühl bekommst: „Irgendwie läuft das heute komisch.“

dann versuche nicht, gleichzeitig zehn Dinge zu korrigieren.

Mach Folgendes:

1. Tempo reduzieren.

2. Schultern lockern.

3. Stöcke einige Meter hinterherziehen lassen.

4. Natürlich gehen.

5. Gegengleichen Armschwung finden.

6. Stockeinsatz langsam wieder hinzunehmen.

Sehr häufig findet der Körper dadurch wieder in einen natürlichen Rhythmus.


🔎 Der MatsZino-Selbstcheck

Alle paar Minuten kannst Du Dir während einer Runde fünf kurze Fragen stellen:

1. Sind meine Schultern locker?

2. Arbeiten Arme und Beine über Kreuz?

3. Gehen meine Arme weit genug nach hinten?

4. Drücke ich tatsächlich über die Stöcke?

5. Fühlt sich die Bewegung flüssig an?

Wenn Du diese fünf Punkte regelmäßig kontrollierst, hast Du bereits einen ziemlich guten persönlichen Technikcoach dabei. Dich selbst.


🎥 Noch besser: Lass Dich einmal filmen

Das ist einer meiner Lieblings-Tipps. Bitte jemanden, Dich beim Nordic Walking einmal für wenige Sekunden zu filmen: von vorne, von der Seite

und idealerweise von hinten. Nicht für Instagram. 😄 Sondern für Dich. Denn häufig fühlt sich eine Bewegung vollkommen anders an, als sie tatsächlich aussieht. Plötzlich erkennst Du: „Oh – meine Arme gehen ja kaum nach hinten.“ oder: „Ich setze die Stöcke tatsächlich ziemlich weit vorne auf.“ Ein kurzes Video kann manchmal mehr zeigen als zwanzig Erklärungen.


👥 Und ein Trainer?

Gerade am Anfang kann eine professionell angeleitete Nordic-Walking-Einheit sinnvoll sein. Ein qualifizierter Trainer sieht Bewegungsmuster, die man selbst möglicherweise überhaupt nicht bemerkt.

Oft reichen schon kleine Korrekturen bei:

Stocklänge,

Armführung,

Stockeinsatz,

Körperhaltung

oder Rhythmus,

und die gesamte Bewegung fühlt sich plötzlich anders an.


⚠️ Technik darf niemals Schmerzen verursachen

Eine wichtige Grenze: Schmerz ist kein Qualitätsmerkmal eines Trainings. Neue Belastungen können anfangs zu Muskelkater führen.

Aber Schmerzen in:

Gelenken,

Rücken,

Schultern,

Knien,

Hüften

oder Füßen

sollten nicht einfach ignoriert werden. Bei anhaltenden oder stärkeren Beschwerden sollte die Ursache fachlich abgeklärt werden.


🌿 Perfektion ist nicht das Ziel

Nach all diesen Fehlern könnte jetzt der Eindruck entstehen: „Oh Gott. Da kann ich ja unglaublich viel falsch machen.“ Deshalb ist mir dieser Punkt besonders wichtig. Du musst nicht perfekt walken. Niemand läuft permanent wie aus einem Lehrbuch. Auch erfahrene Nordic Walker verändern ihre Technik abhängig von:

Gelände,

Geschwindigkeit,

Steigung,

Untergrund

und Trainingsziel.

Die Technik soll Dir helfen. Sie soll Dich nicht stressen.


🌿 Eine Lektion, die mir geblieben ist

Als ich selbst mit Nordic Walking begann, hatte ich jemanden an meiner Seite, der mich immer wieder auf meine Technik aufmerksam machte und kleine Fehler korrigierte. Später ertappte ich mich manchmal dabei, entgegenkommende Menschen mit Nordic-Walking-Stöcken kritisch zu beobachten. Wenn die Stöcke eher mitgetragen als eingesetzt wurden, kommentierte ich das schon einmal etwas salopp als „Gehen an Stöcken“.

Darauf bekam ich eine Antwort, die mir bis heute geblieben ist: „Hauptsache, die Leute bewegen sich und tun etwas für ihre Gesundheit.“

Und sie hatte recht.


Natürlich möchte ich Dir in dieser Akademie zeigen, wie Nordic Walking technisch richtig funktioniert. Denn mit einer guten Technik kannst Du viel mehr aus dieser wunderbaren Bewegungsform herausholen. Aber niemand sollte sich davon abschrecken lassen, weil noch nicht jede Bewegung perfekt sitzt. Erst einmal rausgehen. Sich bewegen. Freude daran bekommen. Die Technik können wir anschließend Schritt für Schritt verbessern. Denn bevor wir über perfekte Bewegung sprechen, brauchen wir überhaupt erst Bewegung.


🍃 Mein persönlicher Gedanke

Vielleicht ist der größte Fehler beim Nordic Walking am Ende gar kein technischer. Vielleicht lautet er: Gar nicht erst loszugehen.

Denn natürlich können wir über Stockwinkel, Armschwung, Schrittlänge und Handöffnung diskutieren. Aber der perfekt eingestellte Nordic-Walking-Stock im Keller trainiert: exakt keinen einzigen Muskel. 😄 Deshalb: Technik lernen. Fehler erkennen. Bewegung verbessern.

Aber vor allem: Schuhe an. Stöcke nehmen. Rausgehen.

Denn eine nicht ganz perfekte Runde draußen ist für die meisten von uns immer noch besser als die perfekte Technik auf dem Sofa.

⚖️ Vorschau auf Modul 7

Nordic Walking & Abnehmen

Wie viele Kalorien verbraucht Nordic Walking wirklich?

Muss ich schnell walken?

Was passiert mit unserem Stoffwechsel?

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Was ist mit Bauchfett?

Und warum kann eine regelmäßige 60-Minuten-Runde langfristig interessanter sein als die nächste kurzfristige Radikaldiät?

Genau darum geht es in Modul 7.



🌿 MatsZino – Lass uns die Welt ein bisschen gesünder machen.