

Modul 3 – Die richtige Nordic-Walking-Technik
Stöcke nehmen und loslaufen? Ganz so einfach ist es nicht.
Nordic Walking sieht auf den ersten Blick unkompliziert aus: zwei Stöcke in die Hände, Schuhe an und los.
Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell einen Unterschied zwischen Gehen mit Stöcken und einer guten Nordic-Walking-Technik.
Denn die Stöcke sollen nicht einfach nur mitgeführt werden. Sie werden aktiv eingesetzt und machen aus einer normalen Gehbewegung ein dynamisches Ganzkörpertraining. Das Gute daran: Du musst dafür weder besonders sportlich noch besonders schnell sein.
Eine saubere Technik lässt sich Schritt für Schritt lernen. Und genau das machen wir in diesem Modul.
🌿 1. Die Grundlage: Natürlich gehen
Bevor wir über Stockeinsatz, Arme oder Hände sprechen, kommt zunächst das Wichtigste: Gehe natürlich. Versuche nicht, sofort eine perfekte Nordic-Walking-Bewegung zu erzwingen. Gehe zunächst einige Meter ohne bewussten Stockeinsatz. Die Arme schwingen dabei locker und gegengleich zu den Beinen mit.
Rechtes Bein vorne → linker Arm vorne.
Linkes Bein vorne → rechter Arm vorne.
Diese sogenannte Kreuzkoordination ist die Grundlage des Nordic Walkings. Eigentlich kennt Dein Körper diese Bewegung bereits vom normalen Gehen. Wir verstärken sie lediglich.
🧍 2. Die richtige Körperhaltung
Eine gute Nordic-Walking-Technik beginnt nicht bei den Stöcken. Sie beginnt bei Deiner Haltung. Der Oberkörper ist aufgerichtet und leicht nach vorne orientiert, ohne dass Du Dich aus der Hüfte nach vorne beugst.
Der Blick geht nach vorne – nicht dauerhaft auf Deine Füße.
Die Schultern bleiben entspannt.
Der Brustkorb ist geöffnet.
Der Bauch besitzt eine leichte Grundspannung.
Merke: Groß machen – locker bleiben – nach vorne schauen. Eine verkrampfte Körperhaltung kostet unnötig Energie und verhindert einen flüssigen Bewegungsablauf.
👣 3. Der Schritt
Auch beim Nordic Walking solltest Du nicht versuchen, künstlich besonders große Schritte zu machen. Der Fuß setzt kontrolliert auf und rollt anschließend möglichst flüssig über die Fußsohle nach vorne ab. Mit zunehmendem Tempo kann sich die Schrittlänge ganz natürlich verändern.
Entscheidend ist: Nicht der größtmögliche Schritt ist der beste – sondern der natürliche.
Zu große Schritte können den Bewegungsfluss stören und unnötige Belastungen erzeugen.
🔄 4. Arme und Beine arbeiten über Kreuz
Jetzt kommt die typische Nordic-Walking-Bewegung. Wenn Dein rechter Fuß nach vorne geht, schwingt Dein linker Arm nach vorne.
Wenn Dein linker Fuß nach vorne geht, kommt der rechte Arm nach vorne. Das klingt selbstverständlich. Bei Einsteigern passiert aber erstaunlich häufig etwas anderes: Passgang. Dabei bewegen sich rechter Arm und rechtes Bein gleichzeitig nach vorne.
Falls Dir das passiert: kein Problem. Stöcke zunächst locker hinter Dir herziehen lassen und einige Meter ganz normal gehen. Sobald der natürliche Armschwung wieder funktioniert, kannst Du den Stockeinsatz erneut hinzunehmen.
🦯 5. Der Stock wird schräg eingesetzt
Ein sehr typischer Anfängerfehler ist das nahezu senkrechte Aufsetzen des Stocks vor dem Körper.
Beim klassischen Nordic Walking wird der Stock dagegen schräg nach hinten eingesetzt. Der Stockkontakt erfolgt ungefähr im Bereich des gegenüberliegenden Fußes beziehungsweise leicht dahinter – abhängig von Technik, Tempo und Körperproportionen.
Von dort wird Druck über den Stock nach hinten aufgebaut. Stell Dir vor: Du möchtest Dich mit dem Stock nach vorne schieben und nicht am Stock nach oben ziehen.
Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen Nordic Walking und einfachem Gehen mit Wanderstöcken.
💪 6. Der Arm arbeitet aus Schulter und Oberkörper mit
Nordic Walking besteht nicht nur aus einer Bewegung des Unterarms. Der Arm pendelt möglichst natürlich aus dem Schulterbereich.
Vorne bleibt der Ellenbogen leicht gebeugt. Beim Zurückführen kann sich der Arm weiter strecken. Dadurch entsteht eine deutlich größere Bewegung als beim normalen Spaziergang.
Und genau dadurch beziehen wir zusätzlich Bereiche des Oberkörpers in die Bewegung ein.
Ein gutes Bild dafür: Nicht mit den Händen stöckeln – mit den Armen walken.
✋ 7. Öffnen und Schließen der Hände
Jetzt kommen die Schlaufen aus Modul 2 ins Spiel.
Beim Vorschwingen umfasst die Hand den Griff. Während der Arm nach hinten geführt wird und der Druck über den Stock erfolgt, kann sich die Hand zunehmend öffnen. Ganz hinten ist der Griff nicht mehr fest umklammert. Die Schlaufe hält die Verbindung zum Stock.
Beim erneuten Vorschwingen greift die Hand den Stock wieder. So entsteht der typische Rhythmus:
Greifen → einsetzen → drücken → öffnen → zurückführen → greifen.
Gerade diese Bewegung benötigt am Anfang etwas Übung. Aber irgendwann denkst Du darüber überhaupt nicht mehr nach.
🔥 8. Der aktive Abdruck
Ein Stock, den Du lediglich aufsetzt und anschließend wieder nach vorne holst, leistet kaum Trainingsarbeit.
Der entscheidende Punkt ist die aktive Druckphase. Nach dem Aufsetzen wird über Arm und Stock Druck nach hinten übertragen.
Dadurch entsteht Vortrieb. Je aktiver und technisch sauberer Du arbeitest, desto stärker wird der Oberkörper in die Bewegung einbezogen.
Aber: Kraft kommt erst nach Technik.
Als Anfänger solltest Du zunächst einen flüssigen Bewegungsablauf lernen. Intensität und Geschwindigkeit können später steigen.
🌀 9. Die natürliche Rotation des Oberkörpers
Bei einem flüssigen Gang bewegt sich auch der Oberkörper leicht mit. Schultergürtel und Becken arbeiten gegeneinander.
Diese Rotation sollte natürlich entstehen und nicht künstlich erzwungen werden. Gerade diese dynamische Ganzkörperbewegung macht Nordic Walking so interessant. Arme, Beine und Rumpf arbeiten nicht isoliert nebeneinander. Sie bilden eine Bewegungskette.
❌ 10. Die häufigsten Technikfehler
Vielleicht erkennst Du Dich bei einem davon wieder:
❌ Stock zu weit vorne einsetzen
Dadurch entsteht eher eine bremsende als eine vorwärtstreibende Bewegung.
❌ Stöcke nahezu senkrecht aufsetzen
Der typische Schub nach hinten fehlt.
❌ Zu kurze Armbewegung
Die Bewegung findet fast ausschließlich vor dem Körper statt.
❌ Griffe permanent fest umklammern
Das kann Hände, Unterarme und Schultern unnötig verspannen.
❌ Schultern hochziehen
Lockerheit geht verloren.
❌ Passgang
Arm und Bein derselben Körperseite bewegen sich gleichzeitig nach vorne.
❌ Zu große Schritte erzwingen
Mehr Schrittlänge bedeutet nicht automatisch bessere Technik.
❌ Nur die Stöcke bewegen
Nordic Walking ist eine Ganzkörperbewegung – kein Spaziergang mit zwei zusätzlichen Gegenständen.
🎓 11. Drei einfache Übungen für Einsteiger
Übung 1 – Stöcke hinterherziehen
Stöcke in den Schlaufen halten und die Arme locker hängen lassen. Jetzt einfach losgehen.
Die Stöcke schleifen zunächst hinter Dir her.
Konzentriere Dich ausschließlich auf den natürlichen gegengleichen Armschwung.
Ziel: Kreuzkoordination finden.
Übung 2 – Stockkontakt entstehen lassen
Während Du weitergehst, führst Du die Arme etwas aktiver.
Durch den natürlichen Armschwung beginnen die Stockspitzen irgendwann, den Boden zu berühren.
Nicht bewusst nach vorne stechen.
Ziel: Gefühl für den richtigen Einsatzpunkt entwickeln.
Übung 3 – Druck nach hinten
Jetzt beginnst Du, nach dem Stockkontakt leicht nach hinten zu drücken.
Der Arm wird weiter zurückgeführt und die Hand darf sich öffnen.
Zunächst langsam.
Dann immer flüssiger.
Ziel: Aus Gehen mit Stöcken wird Nordic Walking.**
🧠 12. Technik vor Geschwindigkeit
Gerade am Anfang beobachte ich häufig einen Fehler:
Man möchte möglichst schnell laufen.
Doch Geschwindigkeit kaschiert technische Fehler nicht – sie verstärkt sie häufig.
Deshalb:
Langsam lernen. Sauber bewegen. Geschwindigkeit später erhöhen.
Wenn Du die Technik beherrschst, kommt das Tempo meistens von ganz allein.
🌿 Der MatsZino-Technikcheck
Während Deiner nächsten Runde kannst Du Dich zwischendurch selbst kontrollieren:
✓ Schaue ich nach vorne?
✓ Sind meine Schultern locker?
✓ Arbeiten Arme und Beine über Kreuz?
✓ Setze ich die Stöcke schräg ein?
✓ Drücke ich aktiv nach hinten?
✓ Führe ich die Arme weit genug zurück?
✓ Öffne ich hinten die Hände?
✓ Laufe ich flüssig oder kämpfe ich mit meinen Stöcken?
Wenn Du bei den meisten Punkten einen Haken setzen kannst, bist Du auf einem guten Weg.
☝️ Noch ein wichtiger Punkt
Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit.
Körpergröße, Beweglichkeit, Fitness, Vorerfahrungen oder körperliche Einschränkungen können beeinflussen, wie eine optimale Bewegung individuell aussieht.
Deshalb sollte Technik kein starres Korsett sein.
Bei Schmerzen, deutlichen Bewegungseinschränkungen oder bestehenden orthopädischen beziehungsweise kardiovaskulären Erkrankungen sollte vor Trainingsbeginn gegebenenfalls ärztlicher oder physiotherapeutischer Rat eingeholt werden.
🍃 Und wann kann ich Nordic Walking richtig?
Vielleicht überraschend: Eigentlich nie endgültig. Auch erfahrene Nordic Walker können ihre Technik immer wieder verbessern.
Manchmal reicht schon eine kleine Veränderung beim Armeinsatz oder der Körperhaltung – und plötzlich fühlt sich die gesamte Bewegung leichter und dynamischer an.
Das ist einer der Gründe, warum ich Nordic Walking so gerne mag: Die Bewegung ist einfach zu beginnen – aber interessant genug, um sie immer weiter zu verbessern. Und wenn die Technik erst einmal sitzt, können wir uns einer noch viel spannenderen Frage widmen:
❤️ Vorschau auf Modul 4
Was macht Nordic Walking eigentlich mit unserem Körper?
Welche Muskeln arbeiten?
Was passiert mit Herz und Kreislauf?
Kann Nordic Walking beim Abnehmen unterstützen?
Welche Auswirkungen hat Bewegung auf Stress, Psyche und Stoffwechsel?
Und warum ist Nordic Walking gerade mit zunehmendem Alter eine so interessante Sportart?
Genau darum geht es im nächsten Kapitel der Nordic-Walking-Akademie:
Modul 4 – Die gesundheitlichen Vorteile des Nordic Walkings
🌿 MatsZino – Lass uns die Welt ein bisschen gesünder machen.
