
🍬 Zucker(süßer)Junkie
Das größte Suchtproblem unserer Zeit
GesundheitsCampus-Spezial - Eine dreiteilige Serie von MatsZino
Teil 2: Die Zuckerfalle im Einkaufswagen
Warum ein Blick auf die Zutatenliste wichtiger ist, als viele denken
Kennst Du das? Du stehst im Supermarkt vor dem Brotregal und greifst ganz selbstverständlich zu einem Toastbrot. Schließlich soll es schnell gehen. Ein kurzer Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, ab in den Einkaufswagen – fertig. Doch Hand aufs Herz: Wann hast Du Dir das letzte Mal die Zutatenliste wirklich angesehen? Wahrscheinlich genauso selten wie die meisten Menschen. Dabei entscheidet sich genau dort, auf der Rückseite der Verpackung, oft mehr über unsere Ernährung als auf der bunten Vorderseite.
Die Hersteller wissen natürlich, dass wir zuerst auf Begriffe wie "Vollkorn", "Ballaststoffreich", "Fit", "Vital" oder "Ohne Konservierungsstoffe" achten. Die Zutatenliste dagegen? Die lesen nur wenige. Und genau deshalb möchte ich heute gemeinsam mit Dir einen genaueren Blick darauf werfen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Sondern ganz entspannt. Denn Du wirst überrascht sein, was sich hinter einem scheinbar ganz normalen Toastbrot verbirgt.
Kapitel 1 – Ein ganz normales Toastbrot
Nehmen wir einmal ein handelsübliches Toastbrot. Von außen sieht alles gut aus. Frisch. Goldbraun. Lecker. Vielleicht steht sogar auf der Verpackung: Mit Vollkorn oder
Ballaststoffreich oder Für eine bewusste Ernährung Das vermittelt ein gutes Gefühl. Doch drehen wir die Verpackung einmal um. Jetzt beginnt die eigentliche Geschichte. Denn auf der Rückseite befindet sich die Zutatenliste. Und genau dort verstecken sich oftmals Informationen, die wir beim Einkaufen völlig übersehen.
Kapitel 2 – Die Reihenfolge verrät mehr, als Du denkst
Viele Verbraucher glauben, die Zutaten seien einfach irgendwie aufgelistet. Das stimmt nicht. Die Reihenfolge ist gesetzlich geregelt. Die Zutat, die mengenmäßig am meisten enthalten ist, steht immer ganz vorne. Danach folgen die weiteren Zutaten – in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts zum Zeitpunkt der Herstellung.
Das bedeutet: Steht Zucker sehr weit vorne, enthält das Produkt vergleichsweise viel davon. Steht Zucker weiter hinten, ist weniger enthalten. Doch Vorsicht. So einfach machen es uns viele Hersteller heute nicht mehr. Denn Zucker trägt längst nicht immer den Namen "Zucker".
Kapitel 3 – Zucker hat viele Namen
Kommen wir deshalb zurück und werfen einen genaueren Blick auf ein ganz normales Toastbrot. Lass uns gemeinsam ein Produkt anschauen, das vermutlich in Millionen deutscher Haushalte regelmäßig auf dem Frühstückstisch liegt. Zum Beispiel ein Golden Toast Buttertoast. Die Zutatenliste lautet – je nach Produktvariante leicht unterschiedlich – unter anderem: Weizenmehl, Wasser, Weizensauerteig, Butterreinfett, Hefe, Zucker, Salz …
Auf den ersten Blick wirkt das völlig unauffällig. Und genau das ist der spannende Punkt. Viele Menschen lesen die Zutatenliste und denken: "Da steht doch nur einmal Zucker." Das stimmt. Aber jetzt schauen wir etwas genauer hin.
Wo steht der Zucker?
Die Zutaten eines Lebensmittels müssen gesetzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts aufgeführt werden. Das bedeutet: Ganz vorne stehen die Zutaten, die mengenmäßig den größten Anteil ausmachen. Weiter hinten folgen Zutaten, die in geringerer Menge enthalten sind. Beim Toastbrot steht Zucker also nicht an erster Stelle. Das zeigt, dass er hier nicht die Hauptzutat ist. Trotzdem gehört er zur Rezeptur und erfüllt mehrere Aufgaben: Er trägt zum Geschmack bei, unterstützt die Bräunung beim Backen und hilft der Hefe beim Gärprozess.
Jetzt wird es interessant
Dieses Beispiel wirkt zunächst harmlos. Doch viele andere verarbeitete Lebensmittel gehen einen ganz anderen Weg.
Dort heißt Zucker plötzlich nicht mehr:
- Zucker
sondern beispielsweise
- Glukosesirup
- Fruktosesirup
- Dextrose
- Maltose
- Invertzuckersirup
- Traubenzucker
- Maltodextrin
- Karamellsirup
- Reissirup
- Gerstenmalzextrakt
Für unseren Körper sind viele dieser Zutaten ebenfalls Zucker oder liefern sehr schnell verwertbare Kohlenhydrate. Wer diese Begriffe nicht kennt, übersieht sie leicht.
Ein kleiner Einkaufstipp
Beim nächsten Einkauf brauchst Du keine Ernährungswissenschaft zu studieren.
Es reichen oft schon 30 Sekunden. Dreh die Verpackung um und stelle Dir drei einfache Fragen:
✅ Wo steht Zucker oder ein anderer süßender Bestandteil?
✅ Tauchen mehrere Zuckerarten gleichzeitig auf?
✅ Ist das Produkt wirklich so "natürlich", wie die Vorderseite verspricht?
Allein diese drei Fragen verändern oft den Blick auf ein Lebensmittel.

🥤 Ein weiteres Beispiel: Ein Energydrink, den jeder kennt
Bleiben wir noch einen Moment beim Thema „versteckter beziehungsweise schnell übersehener Zucker“. Nehmen wir einen Energydrink, den vermutlich fast jeder kennt. Ich hätte genauso gut andere namhafte Produkte auswählen können – aber bleiben wir einfach bei diesem Beispiel. Selbst wenn wir den Namen nicht nennen: An der Dose werden ihn wahrscheinlich viele sofort erkennen. Ich persönlich habe übrigens noch nie einen Energydrink getrunken. Mich hat schon der für mich intensive, süßliche Geruch immer davon abgehalten. Aber stellen wir einmal eine ganz einfache Frage: Warum trinkt man eigentlich einen Energydrink? Weil man Durst hat? Weil man müde ist und sich einen Energieschub verspricht? Wohl kaum, weil man morgens feststellt: „Oh je, heute habe ich noch nicht genügend Zucker gegessen.“
Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die Nährwertangaben. Eine typische 250-ml-Dose eines klassischen Energydrinks enthält ungefähr 27 Gramm Zucker. Das entspricht grob neun Zuckerwürfeln, wenn man mit etwa drei Gramm pro Würfel rechnet. Und jetzt wird es interessant: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, freie Zucker auf weniger als 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen; bei 2.000 kcal entspricht das etwa 50 Gramm pro Tag. Eine weitere Reduktion auf ungefähr 25 Gramm beziehungsweise 5 % kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bringen. Das bedeutet: Mit nur einer einzigen 250-ml-Dose hast Du bereits mehr als die Hälfte der 50-Gramm-Obergrenze erreicht – und die strengere 25-Gramm-Empfehlung sogar schon überschritten. Und dabei haben wir noch kein Frühstück, kein Mittagessen und kein Abendessen berücksichtigt. Keinen Fruchtjoghurt. Kein Toastbrot. Kein Ketchup. Keine Süßigkeit zwischendurch. Und auch keine Cola, Limonade oder einen Fruchtsaft.

🍃 Jetzt bist Du dran
Überlege einmal ganz bewusst: Wie viel Zucker nimmst Du wohl an einem ganz normalen Tag zu Dir, wenn zu Deinen Lebensmitteln zusätzlich Softdrinks, Säfte oder Energydrinks kommen? Du musst darauf jetzt keine Antwort wissen. Aber vielleicht machst Du morgen einfach einmal den Versuch: Dreh die Verpackungen um. Schau auf die Nährwerttabelle. Addiere den Zucker eines einzigen Tages. Das Ergebnis könnte Dich überraschen. Denn genau darum geht es bei Zucker(süßer)Junkie:
Nicht darum, Dir etwas zu verbieten. Sondern darum, sichtbar zu machen, was wir oftmals völlig unbewusst zu uns nehmen. Und danach entscheidest Du selbst, was davon künftig in Deinem Einkaufswagen landet. 🌿
Mythos: Was ist der besser- Rübenzucker oder Rohrzucker?
Weder noch. 😊 Das überrascht viele Menschen, aber Rübenzucker und Rohrzucker sind chemisch praktisch identisch. Beide bestehen fast ausschließlich aus Saccharose und liefern dieselbe Energiemenge sowie nahezu die gleichen Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel.
Hier ein Vergleich:
Rübenzucker: Gewonnen aus der Zuckerrübe - wächst in gemäßigten Klimazonen (z. B. Deutschland) - besteht aus Saccharose - ca. 400 kcal pro 100 g - gleiche Wirkung im Körper
Rohrzucker: Gewonnen aus Zuckerrohr - wächst in tropischen Regionen - besteht aus Saccharose - ca. 400 kcal pro 100 g - gleiche Wirkung im Körper -
Woher kommt dann der Mythos?
Viele Menschen halten Rohrzucker für gesünder, weil er oft als "natürlich", "unraffiniert" oder "braun" verkauft wird.
Tatsächlich gilt:
- Weißer Rohrzucker und weißer Rübenzucker sind nahezu identisch.
- Brauner Rohrzucker enthält lediglich geringe Mengen Melasse. Dadurch bleiben minimale Mengen an Mineralstoffen zurück. Diese Mengen sind jedoch so klein, dass sie keinen relevanten gesundheitlichen Vorteil bieten.

🍃 MatsZino-Wissensbox
Rübenzucker oder Rohrzucker – macht das einen Unterschied?
Nein. Für unseren Körper spielt die Herkunft des Zuckers kaum eine Rolle. Ob der Zucker aus einer Zuckerrübe oder aus Zuckerrohr stammt – beide bestehen überwiegend aus Saccharose und wirken im Stoffwechsel nahezu gleich. Entscheidend ist daher nicht die Herkunft, sondern die Menge, die wir täglich aufnehmen.

Die MatsZino-Challenge
Ich habe heute eine kleine Aufgabe für Dich.
Wenn Du das nächste Mal einkaufen gehst, nimm einfach einmal drei Produkte in die Hand:
- ein Toastbrot,
- einen Fruchtjoghurt,
- und eine Flasche Ketchup.
Lies Dir jeweils nur die Zutatenliste durch. Ich bin gespannt, wie viele unterschiedliche Zuckerbezeichnungen Du entdeckst. Vielleicht wirst Du genauso überrascht sein wie ich, als ich mich das erste Mal intensiver damit beschäftigt habe. Gerne können wir uns auch in MatsZino´s Facebook-Community "Gesundheitssache" darüber austauschen.
Ausblick auf Teil 3
erscheint ab dem 26. August wieder hier auf MatsZino.
Bisher haben wir in Teil 1 und Teil 2 gelernt,
- wie Zucker vom Luxusgut zum Massenprodukt wurde,
- warum die Lebensmittelindustrie ihn so häufig einsetzt,
- und wie wir ihn auf Zutatenlisten erkennen können.
Doch die vielleicht wichtigste Frage haben wir uns noch gar nicht gestellt: Was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir dauerhaft zu viel Zucker aufnehmen? Genau darum geht es im dritten und letzten Teil unserer Serie. Wir sprechen über Blutzucker, Insulin, Diabetes, Übergewicht und darüber, warum es nicht um Verzicht geht – sondern um bewusste Entscheidungen.
Ich freue mich auf eure Reaktionen auf Facebook "Gesundheitssache" und wenn Du auch in der kommenden Woche wieder da bist, um den letzten Teil des Monatsthema ZUCKER(süßer)JUNKIE zu lesen.
Bis dahin
Euer Mats
